Bericht aus Burkina Faso/Afrika
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Liebe AZB’ler!
Wir sind zurück von unserem Aufenthalt in Burkina Faso!
Lasst mich kurz dazu ein paar Dinge berichten !
Ursprünglich war geplant, daß Kathrin und ich zusammen mit Utz und Clarissa
nach Afrika fliegen. An dem einzig möglichen Termin – dazu später die Erklärung –
konnten aber weder Utz noch Clärchen aus beruflichen Gründen und somit mußten wir alleine sondieren. Ein Freund von mir – Rainer Sauerborn ist der Chef vom Institut für public health ( vormals Tropeninstitut ) der Universität Heidelberg – leitet seit über 10 Jahren ein Forschungsprojekt in BF , das von der WHO ,der DFG, den Universitäten Harvard und Heidelberg und dem Land Baden Württemberg finanziert wird.
Dieses Projekt ( übrigens weltweit und nicht nur in Burkina ) untersucht vereinfacht gesagt die Auswirkungen der Lebensumstände einer Bevölkerung auf die öffentliche Gesundheit und die daraus resultierende mögliche Unterstützung zur Veränderung
der Lebensumstände respektive der Umweltsituation.
Ein Beispiel :
In Burkina ist die Inzidenz der Malaria tropica sehr hoch. Die Bevölkerung, die sehr weit verstreut in kleinen Dörfern in relativer Armut lebt, mit Moskitonetzen und Medikamenten zu versorgen ist logistisch und informationsbegleitend sehr schwierig.
Denn gerade in der Zeit ab Sonnenuntergang, in der die Anopheles sehr aktiv ist, spielen die Kinder noch draußen und die Erwachsenen sind auf den Feldern.
Da nützen Netze wenig, denn bis die Kinder im Bett sind wurden sie bereits gestochen.
Und da jede 20ste Mücke infiziert ist, kann sich auch der Laie vorstellen wie hoch die malariabedingte Kindersterblichkeit ist.
Innerhalb dieser Studie wurden nunmehr Satelitenaufnahmen eines europäischen
Meteosat ausgewertet, die flächendeckend die Wasserstellen zeigen, die als Brutstätte
dienen können. Dafür wurden in der Studie bestimmte Parameter erforscht.
In Deutschland wurde vor ein paar Jahren ein biologisches Substrat entwickelt, das im Frühsommer in die stehenden Rheinarme verbracht wurde und die Larven der Stechmücken vor dem Schlüpfen abtötet.
Dieses Substrat wurde daraufhin innerhalb der o.a. Studie in BF eingesetzt und hat auch bei der Bekämpfung der Anopheles funktioniert! Zur Zeit wird dieses biologische Insektizid noch mit Allradfahrzeugen an die Wasserstellen gebracht – ein resourcenraubendes und ineffektives Verfahren.
Wir suchen jetzt nach Möglichkeiten dieses Procedere zu optimieren und da wird auch an den Einsatz von Tragschraubern (Gyrokoptern) gedacht.
Aber jetzt von der Malaria zu den Zähnen !
In der gesamten Studie gibt es keine Sektion „oral health“ und natürlich ist auch Rainer
daran interessiert diesen Aspekt mit aufzunehmen.
Ich bin daraufhin mit ein paar Mitarbeitern der Gesundheitsbehörde in die outbacks gefahren und habe eine kleine stichprobenhafte Reihenuntersuchung bei Patienten verschiedener Altersgruppen vorgenommen. Wir haben den DMFT Status erhoben und kurz ausgewertet.
Karies ist – im Gegensatz zu Brasilien- ein deutlich kleineres und fast schon zu vernachlässigendes Problem. Die Hauptursache der Zahnverluste liegt eindeutig bei Parodontalerkrankungen und da fällt der extreme Zahnsteinbefall der Patienten auf.
Aufgabe der AZB könnte es sein, örtliche „ dental hygenists“ auszubilden und für eine Minimalausrüstung in den überall vorhandenen „ Postos da saude“ zu sorgen, mit der vor Ort Zahnstein entfernt werden kann.
Damit wäre ein Großteil der Probleme beseitigt.
Ferner gibt es in der Stadt Nouna ein Bezirkskrankenhaus , das auch über eine zahnärztliche Einheit verfügt. Da es keine Zahnärzte gibt hat man an der Universität in Ouagadougo „Zahnpfleger“ ausgebildet, von deren Fähigkeiten ich mich überzeugen konnte. Die machen all das was hierzulande zahnärztliche Kollegen machen:
von Endo über Füllungen , von verlagerten Weisheitszähnen! bis zu kleinen selbstpolymerisierten Prothesen.
Allerdings ist bei dem chronischen Geldmangel (BF gehört zu den ärmsten Ländern der Welt) die Ausstattung mehr als rudimentär. Denn wenn Geld vorhanden ist, fließt das
zunächst einmal in allfällige Tropenerkrankungen – kann man irgendwie auch verstehen ! Auch in der Frage der Ausstattung kann die AZB vielleicht hilfreich sein. Ich schicke Euch allen im Anhang noch eine Liste der am meisten benötigten Instrumente, Sachspenden können Rainer oder seinen Mitarbeitern nach BF mitgegeben werden.
Ihr könnt Entbehrliches zunächst zu mir schicken!
Das war mal ein klitzekleiner Überblick über unseren Trip nach BF, bei unserm nächsten Treffen werde ich Bilder zeigen und ausführlich berichten !
Bis dahin alles Gute
Euer Jörg
c