Nicht nur Karneval in Rio

Wir sollten also die letzten sein, die während der Periode 2014/2015 das Dentomobil mit Leben füllen sollten. So machten mein Freund Thomas Hagemeier und ich uns am 10. Februar 2015 auf den Weg von Frankfurt nach Recife, wo wir von Leos Sohn mit Freundin in Empfang genommen wurden. Während der 150 km nach Cabedelo, unserem Einsatzort, brach auch schon die Nacht herein, und wir waren froh, bei dem starken Verkehr das Auto nicht selbst lenken zu müssen. Wir logierten in der Pousada Belo Mar bei Dona Julia, einer kleinen Pension, direkt am Strand mit gutem Frühstück.

Am nächsten Tag lernten wir Leo kennen, den guten Geist vor Ort. Er brachte uns zu Maria und Frank, die vor uns im Dentomobil tätig waren. Die einheimische Hilfskraft Penha erwies sich als eine echte Perle: ordentlich, pünktlich, sauber , mit guter Übersicht und sehr verbindlich und bestimmt im Umgang mit den Patienten.

Wenn auch die Gerätschaften sicher nicht so komfortabel wie in der heimischen Praxis waren, so war doch eine effiziente und zielführende Behandlung möglich. Oft assistierten wir uns gegenseitig. Einzig ein Röntgengerät hätte man sich manchmal gewünscht. Zu den Höhepunkten neben der Arbeit zählte sicher das Erlebnis: brasilianischer Karneval! Vor allem die Ohren hatten teil an diesem Spektakel. Viele Autos hatten die Kofferräume mit Boxen vollgestopft und dröhnten mit aller Kraft gegen die Musik der Nachbarautos an. Die Strände waren zu dieser Zeit fast überfüllt und an Arbeit war nicht zu denken. Es herrschte ein Ausnahmezustand. Auch in den extrem vielen unterschiedlichen Kirchen war zu dieser Zeit Hochbetrieb.

In Erinnerung bleiben auch einige Abendessen mit landestypischen Spezialitäten, die wir dank Leo geniessen durften.

Die Behandlung der Menschen in der Favela hat viel Freude gemacht, auch wenn die Gebisszustände nach europäischen Maßstäben zum Teil katastrophal waren. Für die Menschen war es wichtig, keine Barriere überwinden zu müssen, um sich in zahnärztliche Behandlung zu begeben.

Nachdem Kollege Gerd Pfeffer das Dentomobil eingemottet und nach Salvador verbracht hatte, traten wir die Heimreise mit einem ganzen Sack guter Erinnerungen an. Schade nur, dass die Sicherheitlage in diesem Paradies so fragil ist. Wir selbst hatten allerdings keine negativen Erfahrungen und auch das Dentomobil, obwohl faktisch nicht zu schützen, blieb während des ganzen Einsatzes unangetastet.

Nur auf die Begegnung mit einer portugiesischen Galeere (Giftqualle) hätte ich verzichten können.

Uwe Leidig